Work and Travel

Neuseeland polarisiert. Längst hat sich der Inselstaat auf der anderen Seite der Welt als eines der beliebtesten Reisezeile überhaupt etabliert – besonders bei jungen Backpackern, die im Rahmen von „Work&Travel“ mit Aushilfsjobs ihre Reisekasse aufbessern. Immer wieder ist zurecht zu lesen, dass eine solche Reise das Leben äußerst positiv beeinflusst – vor dem Aufbruch stellen sich aber auch viele Fragen, die häufig ein unsicheres Gefühl verursachen. In diesem Bereich der Website versuche ich, einige dieser zu beantworten und meine eigenen Erfahrungen weiterzugeben.

Teil 1 – Visa und Starterpakete

Vor der Reise

Jeder Neuseelandbesucher benötigt ein Visum. Je nach Länge und Zweck des Aufenthalts stehen verschiedenste zur Auswahl – möchte man während dem Reisen Geld verdienen, ist das „Working Holiday Visum“ (WHV) zu wählen. Dieses kann im Internet beantragt werden (https://www.immigration.govt.nz/new-zealand-visas) und kostet derzeit rund 150 Euro. Die Bearbeitungszeit beträgt meistens ein bis zwei Wochen; der Antrag sollte also rechtzeitig gestellt werden. Das WHV ist auszudrucken und in Neuseeland jederzeit im Reisepass mitzuführen. Du musst es zudem bei der Einreise sowie bei möglichen Vorstellungsgesprächen vorzeigen.

Was brauchst du zum Arbeiten?

Neben dem Working Holiday Visum benötigt jeder Backpacker zwei weitere Dinge, um in Neuseeland einen Arbeitsvertrag abschließen zu können: Ein einheimisches Bankkonto sowie eine neuseeländische Steuernummer. Beides kann vor Ort ohne große Mühe beantragt werden: Zum Eröffnen eines Kontos sollte man persönlich in einer Bankfiliale erscheinen (zu empfehlen sind ANZ, Westpac oder KiwiBank, da diese die meisten Geldautomaten im Land betreiben); die Steuernummer kann  im Internet oder per Telefon beantragt werden. Die Alternative: Der Kauf eines „Work&Travel-Starterpakets“, bei dem der Reisende bei beiden Anschaffungen unterstützt wird.

Das Starterpaket

Verschiedene Organisationen bieten ein sogenanntes „Starterpaket“ an. In der Regel enthält es den Transfer zum Flughafen, die ersten Übernachtungen in Auckland (wo die meisten internationalen Flüge landen), einen Infoworkshop rund um Arbeitsbedingungen und Fortbewegung im Land, die angesprochene Hilfe beim Beantragen von Steuernummer und Bankkonto, Zugang zu einer Jobbörse, Beratungsmöglichkeiten während der kompletten Reise sowie eine neuseeländische SIM-Karte (die bei der Jobsuche sehr hilfreich ist). Die Preise starten bei rund 300 Euro, teurere Angebote enthalten meist einen längeren Aufenthalt im Hostel sowie verschiedene Aktivitäten in Auckland (von einer Stadtrundfahrt bis zum Bungee-Sprung vom Skytower). Ich wählte ein Starterpaket von IEP (International Exchange Programme; iep.co.nz), die mit mehreren deutschen Reisegesellschaften zusammenarbeiten.

Nähere Informationen zu IEP findest du hier

Selbstständig oder per Organisation?

Eine Frage, die sich vor der Reise wohl fast allen Backpackern stellt – lohnt sich ein solches Starterpaket oder sind die die ersten Tage im Land auch auf eigene Faust zu organisieren? Fakt ist: Alle Angebote des Pakets sind zwar hilfreich, können aber auch problemlos selbstständig beantragt oder in Erfahrung gebracht werden. Schlussendlich zahlt man rund 200 Euro für den zweistündigen Infoworkshop und die Beratungsangebote während der Reise. Aber, und deswegen kann ich den Kauf eines Starterpakets empfehlen: Gerade diese sind äußerst hilfreich. Jeder IEP-Teilnehmer hat Zugang zu einem Online-Mitgliederbereich, der neben allen nötigen Informationen rund um Neuseeland auch aktuelle Jobangebote bereithält. Bei allen Fragen stehen einem freundliche und sehr kompetente Mitarbeiter zur Verfügung – 24 Stunden am Tag. Und viele der Tipps, die man in den ersten Tagen erhält – sei es zum ausgearbeiteten Lebenslauf, touristische Geheimtipps oder aber lohendende Mitgliedschaften – sind äußerst hilfreich und machen sich früher oder später bezahlt. Auf dich alleine gestellt wirst du nach diesen ersten Tagen noch genug sein!

Teil 2 – Die Jobsuche

Wie findest du einen Job?

Erfüllst du im letzten Teil genannten Bedingungen (bist also im Besitz eines Working Holiday Visums, eines einheimischen Bankkontos sowie einer Steuernummer), kannst du anfangen, nach einem Aushilfsjob zu suchen. Neuseeland hat sich auf den Backpacker-Trend eingestellt und bietet zu jeder Jahreszeit ein breites Stellenangebot. Am einfachsten ist die Suche im Internet, wo nahezu alle großen Unternehmen ihre freien Stellen anbieten. Hast du ein Work&Travel-Starterpaket gebucht, kannst du meistens auf ein eigenes Jobportal zugreifen (bei IEP ist das der Fall). Ansonsten bieten die Seiten http://backpackerboard.co.nz/ und https://nz.indeed.com/ die größte Auswahl. Weitere Möglichkeiten, Arbeit zu finden, finden sich in Hostels, Supermärkten und Touristeninformationen, wo regelmäßig Jobangebote ausgehangen werden. Und zuletzt kannst du dich natürlich auch persönlich im Wunschunternehmen vorstellen – hier stehen die Chancen auf einen Kurzzeitjob aber meistens schlecht.

Welche Jobs gibt es?

Das hängt natürlich von der Jahreszeit ab. Im Winter (Juni bis August) sind in Skigebieten zahlreiche Stellen zu besetzen, im Sommer wiederum auf Obstplantagen und Farmen. Ganzjährig suchen Restaurants, Bars und Hostels nach Aushilfskräften. Ausgefallenere Jobs sind die Teilnahme an Fundraising-Kampagnen oder das Aushelfen bei Touranbietern und Extremsportzentren. Bei ausreichenden Englischkenntnissen sollte auch das Arbeiten als Au-Pair in Betracht gezogen werden. Wenn du einen genaueren Eindruck bekommen willst, kannst du dich einfach mal auf einer der oben verlinkten Seiten umsehen – auch ohne Registrierung können die derzeitigen Stellenangebote aufgerufen werden!

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Ein sehr beliebter Job: Arbeit auf dem Weinberg

Die besten Regionen

Jobs in Hostels, Restaurants und Bars findest du logischerweise in Großstädten und besonders touristischen Gebieten – also in erster Linie Auckland, Christchurch und Queenstown. Gute Aussichten auf Arbeit bestehen aufgrund der riesigen Obstanbaugebiete auch in der Hawkes Bay (Nordinsel), in Marlborough (Norden der Südinsel) und Otago (Süden der Südinsel).

So kommst du an den Job

Die Unternehmen geben entweder eine Telefonnummer oder eine E-Mailadresse an, unter der sich Interessierte melden können. Meistens reicht dabei die Bestätigung, dass du die genannten Forderungen (Visum, Steuernummer, Bankkonto, Aufenthaltsdauer und Englischkenntnisse) erfüllst. Bei wenigen Jobs muss ein Lebenslauf beigelegt werden – diesen solltest du bereits im Vorfeld deiner Reise erstellen. Per Telefon oder E-Mail vereinbart ihr Startpunkt und andere Details deines Jobs – und schon geht es los!

Teil 3 – Arbeitsalltag und Bezahlung

Arbeitsdauer

Es ist sehr schwierig, einen Job für eine Zeitspanne von unter zwei Wochen zu finden. In den meisten Fällen fordern die Unternehmen einen Mindestaufenthalt von einem Monat. Das solltest du bei deiner Reiseplanung bedenken und jeweils längere Arbeits- und Urlaubsabschnitte einplanen. Wie lange du am Tag arbeiten wirst, ist unterschiedlich – mal ist es nur der Abend in der Bar, mal der ganze Tag auf der Kiwiplantage.

Bezahlung

Der gesetzliche Mindestlohn in Neuseeland beträgt 15,75 NZD (etwa 9 Euro) pro Stunde. Das ist dann auch genau die Summe, die du bei den meisten Backpackerjobs verdienen wirst. Einige Arbeitnehmer stellen dir zusätzlich eine kostenlose Unterkunft zur Verfügung. Anders ist das System in der Landwirtschaft: Hier wird nach Leistung bezahlt, also pro geernteten Eimer oder pro verpackte Einheit.

Working Hostels

In ganz Neuseeland gibt es Hostels, die dich bei der Arbeitssuche unterstützen. Voraussetzung: Du musst die gesamte Dauer deines Jobs in dieser Unterkunft verbringen. Häufig gibt es dafür Spezialpreise, mit denen sich ordentlich sparen lässt. Die Hostels stehen in ständigem Kontakt zu lokalen Unternehmen und Farmen – die Chancen, hier Arbeit zu finden, stehen also ziemlich gut. Ich lebte für 6 Wochen im „Duncannon Backpackers“ in Blenheim, die direkt mit einer lokalen Weinbaufirma zusammenarbeiten.

Zur Website des Hostels (das ausschließlich Bungalows mit Zweibettzimmern und eine Badestelle im Fluss bietet) geht es hier.

Hier einige Bilder der Anlage:

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Mehr zu meiner Zeit in Blenheim und Duncannon erfährst du im entsprechenden Blogeintrag:

Blenheim – Arbeitsteilung (folgt im April 2018)

WWOOFing

Als „Willing Worker On Organic Farms“ arbeitest du 3 bis 5 Stunden am Tag für eine in Neuseeland lebende Familie – und bekommst im Gegensatz Verpflegung und Unterkunft zur Verfügung gestellt. Die Aufgaben sind meist simpel, du hilfst im Haushalt oder im Garten. WWOOfing ist eine tolle Möglichkeit, die einheimische Kultur kennenzulernen: In der Regel bist du während deinem Aufenthalt ein echter Teil der Familie. Die benötigte Mitgliedschaft kostet rund 50 Euro, mit der du bei den rund 900 Gastgebern im ganzen Land unterkommen kannst. Auch hier ist langfristige Planung wichtig: Beliebte Stellen sind häufig mehrere Wochen im Voraus ausgebucht.

Die Website der neuseeländischen WWOOF-Bewegung, auf der du deine Mitgliedschaft beantragen und dir einen Eindruck über die Vielfalt der Gastgeber verschaffen kannst, geht es hier.

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Meine WWOOFing-Stelle: Der Vergnügungspark „The Waterworks“

Mehr Informationen zum Konzept des WWOOFings und dem ökologischen Hintergrund findest du in meinem Blogeintrag:

Coromandel Peninsula – Ökologischer Fußabdruck und WWOOFing