Georgetown – Kulturen und Potentiale

Nach dem sehr interessanten Start in Singapur steht vier Tage nach meiner Ankunft in Asien die erste lange Busfahrt auf dem Programm – es geht in den Norden Malaysias, genauer gesagt die UNESCO-Weltkulturerbestadt Georgetown, die sich an die Nordostflanke der Insel Penang schmiegt. Grenzübergang und Busfahrt laufen problemlos, am Morgen des 12. November checke ich im Chulia Heirtage Hotel ein. Eine Unterkunft in perfekter Lage, sind doch all die berühmten Viertel und Straßen der Stadt fußläufig zu erreichen.

Georgetown verdankt seine Berühmtheit weder einem besonders prachtvollem Gebäude noch einer landschaftlich besonders reizvollen Attraktion – es ist die kulturelle Vielfalt, die Penangs 0,5 Millionen-Stadt zu einem solch besonderen Ort macht. Im historischen Zentrum, das auf Penangs Kolonialzeit zurückgeht, leben verschiedenste Kulturen, Religionen und Nationalitäten auf engstem Raum – und das friedlich, interagierend und voller Lebensfreude. In Georgetown findet man genau das, was sich viele Reisende unter dem „wahren Asien“ vorstellen: Enge Gassen voller Marktstände und Hinterhöfen, dampfende Garküchen, exotische Gewürze, das Trommeln von Straßenmusikanten.

Im großen Kontext wird dabei eine ganz wichtige Botschaft deutlich, die in den kommenden Monaten auch auf GLOBALIZED behandelt werden soll: Kulturen ergänzen und bereichern sich gegenseitig. Ein System, das auf zehn gleichartigen Elementen – in unserem Fall Menschen einer einzigen Herkunft – aufbaut, ist selten ergiebiger als eine Kombination aus zehn unterschiedlichen Elementen. Für den Menschen – in Georgetown die zahlreichen Touristen – sind die Vorteile auf den ersten Blick sichtbar: Auswahl und Qualität von Produkten steigen; jeder scheint sich wohlzufühlen, niemand wirkt ausgegrenzt. Eine ganz andere Atmosphäre wie in beispielsweise in vielen deutschen Großstädten, wo Menschen anderer Herkunft häufig ausgegrenzt in Bahnhofs- oder Hochhausvierteln leben.  In der berühmten „Armenian Street“ reichen sich fast ein Dutzend Gotteshäuser mit gänzlich verschiedenen Glaubensrichtungen die Klinke, die islamische Moschee wird von einer jüdischen Synagoge und einem budhistischen Tempel flankiert. Ansammlungen von Garküchen bieten eine breite Auswahl, die von asiatischen Currys und Pad Thai über europäisches Essen bis zu amerikanischen Burger-Ständen reicht. Und die weltbekannte Streetart- bei der es sich sowohl um Wandmalereien als auch moderne Kunstmonumente handelt – zeigt die unerschöpflicher Kreativität einer ganz besonderen Zusammensetzung an Menschen.

sdr

Streetfood in Georgetown

dav

Ein indisches Pita-Gericht gibt es für knapp zwei Euro

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Eine Gasse in Georgetown kurz nach dem Sonnenuntergang

Wie selten solche Orte in der heutigen, globalisierten Welt sind, zeigen nicht nur all die Schreckensnachrichten, die ihren Ursprung oft im fehlenden Gleichgewicht zwischen ursprünglichen Kulturen und einem großen, globalen und westlichen Geist finden, sondern auch die andere Seite positiver Beispiele wie Georgetown: Infolge der Touristenmassen, die Jahr für Jahr in die UNESCO-Weltkulturerbestätte pilgern, sowie der Anbindung an das weltweite Handelssystem – Georgetown besitzt einen der größten Häfen in Malaysia – zeigen sich außerhalb des historischen Stadtkerns die üblichen Entwicklungen der heutigen Zeit: Luxushotels und Hochhäuser, die sich in direkter Nachbarschaft zu zerfallenen Wellblechhütten in den Himmel strecken; globale Unternehmen wie McDonalds oder Starbucks, die den Großteil der Touristen aus den lokalen Garküchen und Handwerkerbetrieben in das vertraute Umfeld locken. Oder Investitionen, die wir nett ausgedrückt als unnötig bezeichnen: Seit dutzenden Jahren verbindet Penang eine 13,5 Kilometer lange Autobrücke mit dem Festland, die zugegebenermaßen hoch frequentiert wird. Im Jahr 2008 wurde nun eine zweite, im Abstand von unter zehn Kilometern verlaufende, Brücke errichtet, deren Sinn sich nur schwer erschließen lässt. Die neue Penang-Brücke ist eine architektonisch ein Eyecatcher, in Zeiten von knappen Ressourcen und immer größeren Spaltungen aber gleichzeitig eine fragwürdige Investition.

dav

Die 24 Kilometer lange Penang-Brücke – fünf Kilometer südlich einer ähnlichen Landverbindung

Der Besuch in Georgetown ruft eines nachhaltig in Erinnerung: Der Erhalt und die Interaktion all der Kulturen auf unserem Planeten ist immens wichtig, wollen wir das volle Potential der Menschheit entfalten. Das ist durch die Globalisierung schwierig geworden, weltweit agierende Unternehmen drücken das nicht mehr vorhandene Gleichgewicht zwischen globalen und lokalen Akteuren immer weiter in ihre Richtung. Beteiligt an dieser Entwicklung sind wir alle. GLOBALIZED wird im Content-Bereich in den nächsten Monaten Modelle und Beispiele zur Verfügung stellen, die Vorteile internationaler Zusammenarbeit, aber auch der Bewahrung alter Kulturen aufzeigen. Denn das ist für die Schaffung einer besseren Welt unumgänglich. Ich weiß um das nicht in Worte zu fassende Potential einer Menschheit mit durchdachten, gemeinsamen Leitgedanken – jede Kultur hat ihre eigenen Stärken und Gedanken, ihre eigenen Ansätze und Weisheiten. Wir müssen sie nur bündeln.

 

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