Singapur – Bevölkerungsexplosion

Um eine Entwicklung zu planen, ist es von entscheidender Bedeutung, die Voraussetzungen zu verstehen. Hat man mit den gegebenen Parametern bereits Erfahrungen gesammelt, sind die zu ziehenden Schlussfolgerungen oft simpel; müssen doch nur die in der Vergangenheit begangenen Fehler aufgearbeitet werden. Haben wir es jedoch – wie in diesem Fall – mit einem vollkommen neuen Phänomen, einer unbekannten Variable, zu tun, ist das Ganze ungleich schwerer: Welchen Einfluss wird jene Variable nehmen? Wie muss auf die neuen Umständen reagiert werden, um eine möglichst positive Zukunft einzuleiten?

Im heutigen Fall haben wir es mit einer immens wichtigen Entwicklung zu tun. Die Anzahl der Menschen auf unserem Planeten ist in den vergangenen Jahrzehnten explodiert – eine exponentielle Kurve, die noch immer ansteigt und in ungeahnte Höhen vorgestoßen ist. Auf ein- und derselben Fläche (denn die Gegebenheiten der Erde bleiben stets dieselben) leben heute rund 7,6 Milliarden Menschen. Vor hundert Jahren sind es gerade es nicht einmal 2 Milliarden gewesen – rund ein Viertel der heutigen Zahl! Bis ins Jahr 2100 wird die Weltbevölkerung aktuellen Schätzungen sogar die 10-Milliarden-Marke knacken.

sdr
7,6 Milliarden Menschen – ist unser Planet überbevölkert?

Als meine Weltreise am 7. November startet, geht es direkt an einen Ort, der die Bevölkerungsexplosion möglicherweise besser als jeder andere abbildet: Singapur. Die international als moderne, saubere und global agierende „Mega-City“ anerkannte Stadt zählt auf eine Fläche von 69700 Hektar etwa 6 Millionen Einwohner – die resultierende Bevölkerungsdichte des Landes ist mit fast 8000 Menschen pro Quadratkilometer also immens hoch. Nach den Kleinstaaten Macau und Monaco handelt es sich um den weltweit dritthöchsten Wert.

Wie muss – gerade mit Blick in die Zukunft – also mit den Menschenmassen umgegangen werden? Diese Frage muss sich nicht nur in Singapur gestellt werden. Global gesehen brauchen alle 7,6 Milliarden Menschen ein Zuhause, Zugang zu Essen und Trinken, bestimmte Konsumgegenstände (die wiederum Ressourcen beanspruchen) sowie eine saubere und lebenswerte Umgebung – soweit die Theorie. Wie wir im Laufe meines Projekts sehen werden, ist die Menschheit allerdings schon heute nicht in der Lage, diesen Anforderungen gerecht zu werden! Wenngleich in mehrerern Metropolen und Ballungsräumen (mit Singapur an vorderster Front) vermehrt positive Ansätze zu beobachten sind, wie eine „Stadt der Zukunft“ (mehr dazu in Beitrag) aussehen könnte – auch bezüglich der Menschenmassen, die hier ihren Lebensmittelpunkt gegründet haben.

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Massentourimus in Thailand – dass die Weltbevölkerung steigt, ist an vielen Fronten spürbar

Mein Singapur-Airlines-Flug landet früh morgens auf dem Changi-Airport, einem futuristischen und gigantischen Flughafen, der pro Jahr mehr als 55 Millionen Passagiere durch die Welt bewegt und mit mehreren Gartenanlagen, einem Schmetterlingspark sowie einem Swimmingpool Maßstäbe setzt. Für den Reisenden ist diese – in erster Linie durch die vielen Flugbewegungen am Changi-Airport verursachte – Entwicklung durchaus positiv. Hier wird deutlich: Die Bevölkerungsexplosion hat zur Folge, dass nahezu alle menschengemachte Systeme auf unserem Planeten (beispielsweise Städte, Transport und Handelsketten) ebenfalls wachsen. Mehr Menschen schaffen mehr Angebot und mehr Nachfrage. Und mehr Menschen bergen ein deutlich größeres Potential – im positiven wie im negativen Sinne. Was entstehen kann, wenn dieses  genutzt wird, ist in Singapur an mehreren Stellen sichtbar.

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Singapur beweist, wie Millionen Menschen gemeinsam auf engstem Raum leben können. Aber funktioniert das auch flächendeckend?

Mit dem Skytrain fahre ich rund dreißig Minuten zu meinem Hostel. Der Flughafen liegt weit außerhalb, da der Rest der Stadt schlicht und einfach keinen Platz mehr bietet! Singapur hat sich im Laufe des exponentiellen Bevölkerungsanstiegs folglich insbesondere in eine Richtung entwickelt: Nach oben. Direkt auf dem ersten Abschnitt der Skytrain-Strecke reiht sich Wohnblock an Wohnblock. Tatsächlich wird der gesamte Stadtstaat von Hochhäusern dominiert: Die oft ziemlich schicken Anlagen strecken sich bis zu sechzig Stockwerke in die Höhe und weisen immer wieder ähnliche Elemente auf: Baugleiche Teilgebäude werden in luftiger Höhe durch schwindelerregende Gänge verbunden, während ein Großteil der Wände von vertikalen Gärten bedeckt wird. Das Ganze wirkt durchdacht und zukunftstauglich – wenn Hochhäuser gebaut werden müssen, dann so.

Es ist nur die erste Folge der Bevölkerungsexplosion, auf die man während eines Aufenthalts in Singapur stößt. Bei der Wahl der Unterkunft hat man die Wahl zwischen über 1000 Hotels, Hostels und Gästehäusern – mehr Menschen führen zu mehr Touristen. Der Skytrain und die zahlreichen Busse verkehren in hoher Frequenz, mehr als drei Minuten muss man nur in den frühen Morgenstunden warten. In gigantischen Malls kann der Shoppingfreund alles finden, was man sich nur vorstellen kann, und auf der berühmten Vergnügungsinsel Sentosa ist das Freizeitangebot unerschöpflich.

 

 

 

 

All das klingt für den Einzelnen durchaus positiv, wie schon am Beispiel des Flughafens deutlich wurde. Für viele Menschen hat die Bevölkerungsexplosion auf den ersten Blick größtenteils Vorteile hervorgerufen. Kurzfristig zumindest. Denn dass die derzeitige Situation häufig als „Überbevölkerung“ bezeichnet wird, hat seinen Grund. Alleine die Liste an Kinofilmen – „Inferno“, „Elysium“, „What Happened To Monday?“ oder „Population Boom“ – rund um das heiß diskutierte Thema wird immer länger. Und das zurecht: Denn der Blick auf das große Ganze, der bei GLOBALIZED im Mittelpunkt stehen wird, fällt nicht im Geringsten so erfreulich wie das Fallbeispiel Singapur aus. Der Begriff Überbevölkerung ist Zustand definiert, in dem eine Population die ökologische Tragfähigkeit seines Lebensraums überschreitet – und es mehren sich die Anzeichen, dass genau das im Falle der Menschheit zutrifft.

GLOBALIZED wird in folgenden Monaten verschiedenste Probleme beschreiben, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind – höhere Treibhausgasemissionen, die mangelhafte Müllentsorgung, Massentourimus und Ressourenknappheit sind nur einige Beispiele. Die Gefahr der steigenden Bevölkerungszahl liegt daran, dass sie all diese Probleme weiter zuspitzt. Eine steigende Weltbevölkerung führt zu mehr Menschen, die mehr Müll verursachen, mehr Ressourcen benötigen und mehr CO²-Emissionen verursachen! Eine deutlich geringere Anzahl an Menschen würde ein Großteil der genannten Probleme auf einen Schlag lösen. Wie wie wird sich also die Situation darstellen, wenn die Erde noch „voller“ wird? Wenn in naher Zukunft mehr als 10 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben?

 

Das vorauszusagen, fällt schwer. Dass sich viele Probleme weiter zuspitzen werden, ist leicht absehbar – das Voranschreiten der großen Entwicklung jedoch nicht. Ein simples Beispiel: Was geschieht, wenn bestimmte Ressourcen nicht nur knapp werden, sondern aufgebraucht sind? Und genau deshalb ist die Bevölkerungsexplosion eine unbekannte Variable, die dringend mehr Aufmerksamkeit benötigt. Wie können sieben Milliarden Menschen gemeinsam auf der Erde leben? Wie können es noch mehr Menschen? Mit dem derzeitigen Lebensstil wird es auf jeden Fall nicht möglich sein!

Exponentielle Kurven steigen bekanntlich weiter an, sofern nicht entgegengewirkt wird. Und irgendwann würde im Fall der Bevölkerungsentwicklung eine Zahl erreicht werden, die definitiv zu hoch ist (wenn das nicht schon längst der Fall ist!) Aber wo ist die Grenze? Ist sie vielleicht schon überschritten? Wie dringend ist es, mit bereits umgesetzten Maßnahmen (wie die strikte Ein-Kind-Politik in China) oder noch extremeren Einschnitten – siehe die genannten Kinofilme – einzugreifen? Zwei Dinge liegen auf der Hand: Ob freiwillig oder unfreiwillig – irgendetwas wird etwas passieren, um die Form der Kurve in naher Zukunft zu verändern. Ob das ein Kollaps oder bewusste Anpassungen sind, wird die Zukunft zeigen. Ein Ansatzpunkt, und das ist der zweite Fakt, liegt in jedem Fall auf der Hand: Es ist dringend von Nöten, das Leben der 7,6 (und bald noch mehr) Milliarden Menschen besser zu organisieren. Der Lebensstil der Menschheit muss sich anpassen. Wir müssen unseren Alltag mit den Voraussetzungen, die der Planet Erde bietet, in Einklang bringen.

Noch haben wir die Möglichkeit, die nötigen Veränderungen selbst zu planen und durchzuführen. Wir können der Entwicklung eigene Komponenten hinzufügen, die unseren Planeten zu einem lebenswerteren Ort machen. Mega-Citys wie Singapur sind dabei aufgrund der dort lebenden Menschenmassen ein ganz entscheidender Schauplatz. Doch so stark wir auch die derzeitgen Bevölkerung verändern (sei es durch Anpassung des Konsumverhaltens oder Aufklärung über Verhütung), eine bange Frage bleibt: Wird das ausreichen? Oder ist die Grenze längst überschritten worden?

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